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Profiltiefe prüfen: was das Profil über Ihr Auto verrät

1,6 mm verlangt das Gesetz, 3 mm im Sommer und 4 mm im Winter sind die Grenze, ab der wir tauschen würden. So messen Sie richtig.

Von Merle Hansen, aktualisiert am 30. Oktober 2026

Profiltiefenmesser steckt in der Hauptrille eines Sommerreifens

Ein Ford Focus Turnier, Baujahr 2019, 61.000 Kilometer, im November zum Räderwechsel in der Werkstatt von Ole Brinkmann in Bremen-Hemelingen. Der Meister setzte den Profiltiefenmesser an die Winterreifen der Vorderachse: außen 5,4 mm, innen 2,2 mm. Rechtlich war alles in Ordnung, denn § 36 Abs. 3 StVZO verlangt 1,6 mm. Gefahren wäre der Kunde trotzdem mit einer inneren Schulter, die im Schneematsch kaum noch greift, und schuld daran war nicht der Reifen, sondern die Achse.

Die kurze Antwort für alle, die es eilig haben: 1,6 mm sind die gesetzliche Untergrenze, 3 mm im Sommer und 4 mm im Winter sind die Marken, ab denen wir Reifen tauschen würden. Der Rest dieser Seite zeigt, wie Sie zu Hause genau messen, was ein Euro-Stück leisten kann und was ein ungleiches Profil über Ihr Auto verrät.

Das Profil bestimmt, wie viel Wasser, Matsch und Schnee ein Reifen verdrängt. Was gute Reifen für Ihr Auto leisten, hängt deshalb stark davon ab, was nach 30.000 Kilometern davon übrig ist. Die Messung ist außerdem der erste Punkt im Fünf-Minuten-Check unter Reifen prüfen.

Was das Gesetz verlangt: 1,6 mm im Hauptprofil

Die Mindestprofiltiefe beträgt in Deutschland 1,6 mm. Sie steht in § 36 Abs. 3 StVZO und gilt für das Hauptprofil, also die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel der Laufflächenbreite einnimmt. Die äußeren Randbereiche zählen für das Gesetz nicht mit, für Ihre Sicherheit sehr wohl.

Wer mit weniger Profil erwischt wird, zahlt als Fahrer 60 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg; passiert ein Unfall oder wird jemand gefährdet, wird es teurer. Auch bei der Hauptuntersuchung wird die Profiltiefe gemessen. Für Winterreifen verlangt das Gesetz keine größere Tiefe als für Sommerreifen, die 4 mm sind eine Empfehlung, und dasselbe gilt für Ganzjahresreifen. Die Winterreifenpflicht (§ 2 Abs. 3a StVO) knüpft nur an das Alpine-Symbol an, nicht an Millimeter.

RestprofilEinordnungWas wir tun würden
ab 4 mmSommer gut, Winter in Ordnungweiterfahren, Druck im Blick behalten
3 bis 4 mmSommer an der Grenze, Winter zu wenigWinterreifen ersetzen, Sommerreifen einplanen
1,6 bis 3 mmlegal, aber auf Nässe deutlich schwächertauschen
unter 1,6 mmnicht zulässigsofort tauschen

Warum 3 und 4 Millimeter die sinnvollere Grenze sind

Der ADAC empfiehlt, Sommerreifen ab 3 mm und Winter- sowie Ganzjahresreifen ab 4 mm zu ersetzen. Wir schließen uns an: Die Zahl 1,6 sagt, ab wann Sie bestraft werden, nicht ab wann ein Reifen gut ist.

Auf nasser Straße muss jede Rille Wasser wegschaufeln, und je flacher sie wird, desto früher schwimmt der Reifen auf. Vergleichstests der Automobilclubs zeigen seit Jahren, dass Reifen mit wenig Restprofil auf nasser Fahrbahn deutlich längere Bremswege haben als neue. Bei Schnee kommt hinzu, dass die Profilblöcke und ihre feinen Einschnitte Schnee greifen müssen, um zu haften. Bei Winterreifen fehlt mit dem Profil deshalb auch der Biss, und das erklärt die höhere Marke.

So messen Sie die Profiltiefe

Gemessen wird in den breiten Rillen des Hauptprofils, nicht auf dem Steg und nicht an den äußeren Schultern. Wählen Sie pro Reifen mindestens drei Stellen quer zur Lauffläche und zwei oder drei am Umfang; der kleinste Wert zählt. Das Auto steht dabei auf ebenem Boden, und der Reifen ist sauber, denn ein Stein in der Rille verfälscht die Anzeige.

Mit dem Profiltiefenmesser

Ein Profiltiefenmesser gehört zu den günstigsten Werkzeugen, die man für ein Auto kaufen kann. Der digitale Typ liest auf den Zehntelmillimeter ab, die Variante mit Skala reicht ebenfalls: Stift in die Rille, Anschlag auf den Profilblock, ablesen. Auch das Tiefenmaß eines Messschiebers erfüllt den Zweck.

Der Münztest mit 1 und 2 Euro

Der Münztest funktioniert, weil Münzen genormt sind. Beim 1-Euro-Stück ist der goldfarbene Außenring nach Angabe des ADAC knapp über 3 mm breit. Stecken Sie die Münze mit dem Goldrand voran in die Hauptrille: Verschwindet der Ring vollständig, haben Sie mehr als 3 mm Profil. Bleibt ein Teil sichtbar, sollten Sie über einen Wechsel nachdenken.

  1. Münze mit dem Rand voran in die breite Hauptrille stecken, nicht auf einen Steg drücken.
  2. Prüfen, ob der goldene Ring ganz verschwindet.
  3. Dasselbe an mindestens drei Stellen quer über die Lauffläche wiederholen.
  4. Die Messung an zwei weiteren Stellen rund um den Reifen wiederholen, danach am nächsten Rad.

Für Winterreifen wird gern die 2-Euro-Münze empfohlen, deren silberner Außenring in Ratgebern mit rund 4 mm angegeben wird. Eine verlässliche Herstellerangabe dafür ist uns nicht bekannt, und auch der ADAC beschreibt nur das 1-Euro-Stück. Behandeln Sie die 2-Euro-Variante als Faustregel. Eine Münze liefert ohnehin nur eine Vorabdiagnose, keine millimetergenaue Messung; wer im Winter auf der Kippe steht, nimmt den Messer.

Der Verschleißanzeiger TWI

In den Rillen jedes modernen Reifens sitzen kleine Stege, die genau 1,6 mm hoch sind. Auf der Flanke markieren die Buchstaben TWI (Tread Wear Indicator) oder ein kleines Dreieck, wo sie liegen. Sind Profilblöcke und Stege auf einer Höhe, ist die gesetzliche Grenze erreicht, und der Reifen gehört ausgetauscht. Mehr als eine Warnung in letzter Sekunde ist der TWI nicht.

Ungleicher Abrieb: was das Profil über Ihr Auto verrät

Beim Focus war die Ursache schnell gefunden. Die Achsvermessung zeigte zu viel negativen Sturz an der Vorderachse, vermutlich Folge eines Bordsteinkontakts im Frühjahr, und die Innenseite beider Vorderreifen hatte seitdem den Löwenanteil der Arbeit geleistet. Der Reifen selbst war in Ordnung. Wer nur den kleinsten Wert misst, ersetzt ihn und fährt mit der Ursache weiter; wer das Muster liest, findet sie.

AbriebbildWahrscheinliche UrsacheNächster Schritt
Beide Schultern abgefahren, Mitte besserdauerhaft zu wenig LuftDruck kalt prüfen, Leck suchen
Mitte abgefahren, Schultern gutdauerhaft zu viel Luftauf Aufkleberwert senken
Eine Schulter innen oder außen stark abgefahrenfalscher Sturz, oft nach BordsteinkontaktAchsvermessung
Sägezahn: Profilblöcke auf einer Seite abgeschrägtSpur falsch, besonders an der VorderachseAchsvermessung
Mulden in Abständen rund um den Reifendefekte Stoßdämpfer oder UnwuchtDämpfer prüfen, Räder wuchten

Ein Reifen erzählt, wie das Auto fährt. Wenn innen drei Millimeter weniger übrig sind als außen, schaue ich nicht auf den Reifen, sondern auf die Achse. Wer neue Reifen auf eine falsche Spur zieht, kauft denselben Schaden ein zweites Mal.

Ole Brinkmann, Kfz-Meister

Wenn der Abrieb auf zu wenig Luft hindeutet, hilft der Beitrag zum Reifendruck weiter. Zeigen sich beim Messen außerdem Beulen oder Schnitte, ist das ein anderes Kapitel: Dann geht es um die Reifenschäden, und das Profil ist nebensächlich. Und wenn das Profil tief genug ist, der Gummi aber hart wirkt und Haarrisse zeigt, lohnt ein Blick auf das Reifenalter.

Wann Sie tauschen und wie Sie planen

Der beste Zeitpunkt zum Messen ist der Saisonwechsel, weil die Räder dann ohnehin in der Hand liegen. Wer im Oktober feststellt, dass die Winterreifen nur noch 3,5 mm haben, kann in Ruhe Angebote vergleichen und muss nicht im ersten Schneefall beim nächstbesten Händler kaufen. Ein Satz Reifen für einen Kompaktwagen kostet 2026 zwischen rund 240 und 560 Euro (vier Reifen zu 60 bis 140 Euro, ohne Montage); wie sich die Reifenkosten im Einzelnen zusammensetzen, rechnet die Seite dazu vor.

Tauschen Sie, wenn möglich, achsweise. Die zwei neuen Reifen gehören nach hinten, auch bei Frontantrieb: Ein Auto mit gutem Halt an der Hinterachse bleibt beim Bremsen und in Kurven stabil, mit abgefahrenen Reifen hinten kann es dagegen ausbrechen.

Häufige Fragen

Wie messe ich die Profiltiefe ohne Messgerät?

Mit einer 1-Euro-Münze: Stecken Sie sie mit dem Goldrand voran in die Hauptrille. Verschwindet der Goldrand, sind es mehr als 3 mm, bleibt ein Teil sichtbar, ist weniger übrig. Zusätzlich zeigen die TWI-Stege im Profilgrund die 1,6 mm an. Beides ist eine Vorabdiagnose und kein exakter Wert.

Reichen 1,6 mm im Winter?

Rechtlich ja, solange der Reifen das Alpine-Symbol trägt. Praktisch nicht: Bei Schnee und Matsch fehlt dann der Biss, und auf nasser Fahrbahn ist der Bremsweg deutlich länger. Wir würden Winter- und Ganzjahresreifen bei 4 mm ersetzen.

Muss ich bei einem abgefahrenen Reifen gleich alle vier tauschen?

Nein, aber mindestens beide Reifen einer Achse, damit links und rechts gleich viel Profil haben. Wenn die Profiltiefen zwischen den Achsen stark auseinanderliegen, gehören die besseren Reifen nach hinten. Bei Allradfahrzeugen verlangen manche Hersteller engere Toleranzen zwischen allen vier Reifen; das steht in der Betriebsanleitung.

Wie oft sollte ich die Profiltiefe messen?

Bei jedem Saisonwechsel und vor langen Fahrten, dazwischen alle paar Monate. Wer viel fährt, misst öfter als jemand mit 8.000 Kilometern im Jahr, und nach einem harten Bordsteinkontakt lohnt sofort eine Kontrolle beider Schultern.