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Reifen prüfen: fünf Minuten, fünf Punkte

Profil, Druck, Flanke, Alter und Abriebbild: Wer diese fünf Punkte kennt, sieht Probleme Wochen vor der Werkstatt. Der Check unten führt Sie durch.

Mann kniet am Straßenrand vor dem Vorderrad seines Autos und prüft den Reifen

Alle Ratgeber in diesem Bereich

  1. Profiltiefe

    Profiltiefe richtig prüfen: gesetzliches Minimum, sinnvolle Grenze für Sommer und Winter, Messung mit Lehre oder Münze und was ungleicher Abrieb verrät.

  2. Reifendruck

    Richtiger Reifendruck: wo der Sollwert steht, warum kalt gemessen wird, was Beladung ändert und was zu wenig oder zu viel Luft kostet. Mit RDKS-Hinweisen.

  3. Reifenschäden

    Reifenschäden richtig einordnen: Beule, Riss, Schnitt und Fremdkörper, wann Weiterfahren riskant ist, was sich reparieren lässt und was es 2026 kostet.

  4. Reifenalter

    Reifenalter an der DOT-Nummer ablesen: Empfehlungen für 6, 8 und 10 Jahre, die Sechs-Jahres-Regel für Anhänger mit Tempo 100, Neureifen mit altem Datum.

Ein Mazda 3, Baujahr 2019, 52.000 Kilometer, „nur kurz zur Inspektion“. Ole Brinkmann, Kfz-Meister in Bremen-Hemelingen, nahm sich fünf Minuten, bevor der Wagen auf die Bühne fuhr. Hinten links fehlten 0,8 bar, im Profil derselben Seite steckte ein Nagelkopf, und beim Ableuchten der Flanken zeigte sich an der Vorderachse ein feines Netz von Rissen im Profilgrund. Der Fahrer hatte nichts davon bemerkt. Der Wagen fuhr ja noch geradeaus.

Fünf Minuten genügen, weil ein Reifen seine Probleme zeigt, wenn man weiß, wohin man schaut. Jeder der fünf Prüfpunkte hat bei Radhaus einen eigenen Beitrag; hier geht es um die Reihenfolge und darum, wie die Punkte zusammenhängen. Denn selbst die besten Reifen für Ihr Auto leisten nur so viel, wie ihr Zustand hergibt.

Der Fünf-Minuten-Check: Reihenfolge und Zeitbedarf

Gehen Sie immer in derselben Reihenfolge vor, auf ebenem Boden und bei kalten Reifen. Wer jeden Monat dieselbe Runde dreht, bemerkt Veränderungen, die einer einzelnen Prüfung entgehen: Ein Reifen, der jede Woche etwas Luft verliert, hat meist ein Leck, und ein Profil, das auf einer Seite schneller schwindet, meldet ein Problem an der Achse. Der Check unten stellt fünf Fragen zu Ihrem Auto und ordnet die Antworten ein.

Reifen-Check in fünf Fragen

Noch keine Frage beantwortet.

Wie tief ist das Profil an der flachsten Stelle?
Wann haben Sie den Luftdruck zuletzt geprüft?
Wie sieht die Seitenwand aus?
Wie alt sind die Reifen laut DOT-Nummer?
Wie ist das Profil abgefahren?

Die Tabelle zeigt, was jeder Punkt an Zeit und Werkzeug verlangt und woran Sie sich orientieren.

PrüfpunktDauerWerkzeugRichtwert
Profil1 MinuteProfiltiefenmesserGesetz 1,6 mm, besser 3 mm (Sommer) oder 4 mm (Winter)
Druck2 MinutenManometerWert vom Aufkleber, kalt gemessen
Flanke und Lauffläche1 MinuteTaschenlampekeine Beulen, Schnitte oder Fremdkörper
Alter30 SekundenAugeDOT-Nummer: ab 6 Jahren genauer hinsehen
Abriebbild30 Sekundenflache Handgleichmäßig über die ganze Breite

Profil und Abriebbild: messen statt schätzen

Das Gesetz verlangt 1,6 mm, wir würden im Sommer bei 3 mm und im Winter bei 4 mm tauschen. Der Unterschied zeigt sich auf nasser Straße, denn Vergleichstests der Automobilclubs belegen seit Jahren, dass flaches Profil Wasser schlechter verdrängt und die Bremswege spürbar länger werden. Wie Sie mit Messer, Münze und Verschleißanzeiger arbeiten, steht im Beitrag zur Profiltiefe. Für das Abriebbild genügt zunächst die flache Hand: Streichen Sie quer über die Lauffläche. Fühlt sich das Profil in der einen Richtung glatt und in der anderen rau an (Fachleute sprechen vom Sägezahn), stimmt etwas mit Spur oder Sturz nicht, und mit mehr Luft ist das nicht zu beheben.

Reifendruck: kalt gemessen, mindestens einmal im Monat

Der Druck ist der einzige Prüfpunkt, den Sie in einer Minute korrigieren können, und der, den die meisten am längsten vergessen. Der richtige Wert steht auf einem Aufkleber an der Tankklappe oder im Türrahmen, nicht auf der Reifenflanke, wo nur der Höchstwert des Reifens verzeichnet ist. Gemessen wird kalt, also nach wenigen Kilometern Fahrt oder nach mehreren Stunden Standzeit. Wie Beladung, Temperatur und das Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) hineinwirken, erklärt der Beitrag zum Reifendruck.

Flanke, Lauffläche und Alter: Auge und Hand

Beulen, Schnitte und Risse finden Sie mit einer Taschenlampe, wenn Sie den Reifen einmal rundum ableuchten und mit dem Daumen über die Flanke fahren. Eine Beule ist kein Schönheitsfehler: Darunter ist die Karkasse gerissen, und der Reifen hält nur noch, weil die innere Gummischicht die Luft zurückhält. Welche Schäden sich reparieren lassen und welche nicht, steht bei den Reifenschäden. Das Alter lesen Sie an der vierstelligen DOT-Nummer ab, die Woche und Jahr der Herstellung nennt; was sie über die Lebensdauer verrät, erklärt der Beitrag zum Reifenalter.

Die meisten Kunden kommen zu uns, wenn der Reifen schon platt ist. Wer einmal im Monat fünf Minuten investiert, kommt mit einem Termin und nicht mit dem Abschleppwagen. Und sehr oft mit einem Reifen, den wir noch reparieren können.

Inga Tjarks, Reifenhändlerin in Oldenburg

Wann Sie prüfen sollten

Ein fester Rhythmus schlägt gute Vorsätze. Wir halten es so: Den Druck kontrollieren Sie einmal im Monat, den Rest immer dann, wenn ohnehin ein Anlass besteht. Vier Anlässe gibt es:

  • vor jeder längeren Fahrt, vor allem mit voll beladenem Auto oder Anhänger
  • beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen, wenn die Räder ohnehin in der Hand liegen
  • nach jedem harten Bordsteinkontakt oder Schlagloch, auch wenn nichts zu hören war
  • sobald sich das Fahrverhalten ändert: Lenkrad flattert, das Auto zieht zur Seite, die Reifen singen lauter als sonst

Der halbjährliche Wechsel ist der natürliche Termin für die große Runde. Beim Reifenwechsel können Sie alle fünf Punkte abhaken, während die Räder frei in der Werkstatt stehen, und im Oktober lohnt bei den Winterreifen der Blick auf Alter und Profil, solange noch Zeit bleibt, Angebote zu vergleichen und in Ruhe zu kaufen. Wer im Herbst misst und notiert, sieht im Frühjahr, was der Winter gekostet hat.