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Reifen, die zu Ihrem Auto passen

Der richtige Reifen hängt davon ab, was Ihr Auto wiegt, leistet und täglich tut. Radhaus ordnet Größe, Saison und Preis ein und zeigt, wie Sie Ihre Reifen selbst prüfen.

Welches Auto fahren Sie?

Zum Beispiel VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio, Toyota Yaris, Hyundai i20

Typische Größen
185/65 R15 88H
195/55 R16 87V
Preis je Reifen
50 bis 110 Euro
Wichtigstes Kriterium
Nasshaftung
Reifen Kleinwagen
Dunkelgrüner Kombi auf Kopfsteinpflaster am Hafen, im Vordergrund das Vorderrad, dahinter Backsteinspeicher im Abendlicht

An einem Samstag im März standen bei Ole Brinkmann in Bremen-Hemelingen zwei Autos nebeneinander auf der Hebebühne: ein Toyota Yaris mit rund 1,1 Tonnen Leergewicht und ein Hyundai Ioniq 5, der rund zwei Tonnen auf die Waage bringt. Beide Fahrer wollten dasselbe, nämlich „vier gute Sommerreifen“. Der Yaris bekam 185/65 R15 für rund 70 Euro pro Reifen, der Ioniq 235/55 R19 mit XL-Kennung für rund 180 Euro. Gleicher Wunsch, zwei völlig verschiedene Einkäufe.

Damit steckt der rote Faden dieser Seiten schon im ersten Absatz: Ein Reifen ist nicht gut oder schlecht, er passt zum Auto oder er passt nicht. Der Yaris braucht vor allem Nasshaftung im Stadtverkehr und wenig Rollwiderstand. Der Ioniq braucht einen Reifen, der fast die doppelte Last trägt, das sofort anliegende Drehmoment des Elektromotors verkraftet und dabei leise bleibt.

Wählen Sie oben Ihren Fahrzeugtyp, dann landen Sie bei einer Seite mit typischen Größen, Preisen und Kriterien für genau diese Fahrzeugklasse. Wer erst das Grundsätzliche klären möchte, liest hier weiter oder schaut im Bereich Reifen nach Fahrzeug nach, wie Gewicht, Leistung und Nutzung die Auswahl verschieben.

Warum der Reifen zum Auto passen muss

Ein Reifen muss das Gewicht des Autos tragen, die Motorleistung auf die Straße bringen und zum Fahrwerk passen, das der Hersteller dafür abgestimmt hat. Steckt man einen Kleinwagenreifen an ein schweres SUV oder einen Komfortreifen an einen Sportwagen, leidet zuerst die Sicherheit und danach der Geldbeutel.

Gewicht und Tragfähigkeit

Jeder Reifen trägt eine Zahl, die sein Maximalgewicht verrät: den Lastindex. Beim 205/55 R16 91V sind es 615 Kilogramm pro Reifen, vier Reifen tragen also rechnerisch 2.460 Kilogramm. Das klingt nach viel, bis ein Kombi mit Dachbox, vier Fahrrädern und vollem Kofferraum Richtung Ostsee rollt. Der Lastindex darf nie niedriger sein als der in den Fahrzeugpapieren, höher ist erlaubt. Deshalb fahren viele Elektroautos auf verstärkten Reifen mit XL-Kennung und Transporter auf C-Reifen. Wie die Zahlen und Buchstaben zusammenhängen, erklärt die Seite zu Lastindex und Geschwindigkeitsindex.

Leistung, Fahrwerk und Erstausrüstung

Der Geschwindigkeitsindex nennt die Höchstgeschwindigkeit, für die ein Reifen dauerhaft gebaut ist: V steht für 240 km/h, W für 270 km/h, Y für 300 km/h. Im Alltag zählt aber weniger die Spitze als der Umgang mit Drehmoment und Gewicht. Ein zwei Tonnen schweres Elektro-SUV beansprucht die Vorderreifen anders als ein 75-PS-Kleinwagen, und der Hersteller hat Fahrwerk, Lenkung und Regelsysteme auf den Werksreifen abgestimmt. Manche Reifen tragen dafür eine Herstellerkennung auf der Flanke: ein Stern bei BMW, MO bei Mercedes-Benz, N0 bei Porsche.

Bei der Erstausrüstung hat ein Ingenieur monatelang das Fahrwerk auf genau diesen Reifen abgestimmt. Man darf davon abweichen, oft ist das sogar klug. Aber dann sollte man wissen, was man gerade eintauscht.

Ole Brinkmann, Kfz-Meister

Die richtige Größe finden

Die Reifengröße steht an drei Stellen: auf der Flanke des montierten Reifens, im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I, Felder 15.1 bis 15.3 für die einzelnen Achsen) und häufig auf einem Aufkleber an Tankklappe oder B-Säule. Alle drei Angaben sollten zusammenpassen.

Nehmen wir 205/55 R16 91V. Die 205 sind die Breite der Lauffläche in Millimetern, die 55 das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent, das R steht für Radialbauweise, die 16 für den Felgendurchmesser in Zoll. Die 91 ist der Lastindex, das V der Geschwindigkeitsindex. Wo Sie die Größe am schnellsten finden und wie Sie sie lesen, bündelt der Bereich Reifengröße finden. Wer die Zahlen direkt im Papier sucht, ist bei der Reifengröße im Fahrzeugschein richtig, dort lassen sich die Felder des Scheins anklicken.

Passend ist allerdings noch nicht erlaubt. Zulässig sind die Größen aus der Zulassungsbescheinigung Teil I, aus dem CoC-Papier oder aus einer Freigabe (Reifenfreigabe des Herstellers, ABE). Alles andere muss ein Prüfer von TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS eintragen (§ 19 und § 21 StVZO). Die gute Nachricht: Zwischen benachbarten Größen ändert sich weniger, als viele denken. Ein 205/55 R16 hat einen Durchmesser von rund 632 Millimetern, ein 225/45 R17 von rund 634. Der Unterschied von etwa 0,4 Prozent fällt am Tacho kaum auf. Bei anderen Kombinationen sieht das schnell anders aus, und genau dafür gibt es den Reifenrechner: Er vergleicht Durchmesser, Abrollumfang und Tachoabweichung zweier Größen.

Sommer, Winter oder Ganzjahr

Sommerreifen sind im Sommerhalbjahr die erste Wahl, Winterreifen mit Alpine-Symbol brauchen Sie bei Schnee, Eis und Matsch, und Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol sind ein Kompromiss, der vor allem Stadtfahrern in milden Regionen genügt.

Seit dem 1. Oktober 2024 zählt bei winterlichen Straßenverhältnissen nur noch das Alpine-Symbol, das Bergpiktogramm mit Schneeflocke (3PMSF). M+S ohne Flocke genügt nicht mehr. Die Pflicht ist situativ: § 2 Abs. 3a StVO verlangt wintertaugliche Reifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, einen Stichtag gibt es nicht. Wer ohne passende Reifen fährt, zahlt als Fahrer 60 Euro und bekommt einen Punkt, bei Behinderung anderer sind es 80 Euro. Alles Weitere zu Pflicht, Bußgeld und Ausnahmen steht bei den Winterreifen.

Die Gegenseite kennt jeder aus dem Merksatz „von O bis O“, von Oktober bis Ostern. Die Mischung eines Sommerreifens wird unter etwa 7 Grad hart und verliert Grip, im Hochsommer dagegen wird ein Winterreifen weich, bremst länger und verschleißt schneller. Wann der Wechsel sinnvoll ist und wie Sie Sommersätze lagern, steht bei den Sommerreifen.

ReifenartStärkeSchwächeKennzeichen
Sommerreifenkurze Bremswege bei Wärme, ruhiger Laufhart und rutschig unter etwa 7 Gradkein Alpine-Symbol
WinterreifenGrip bei Kälte, Schnee und Eisweich und träger im Sommer, mehr VerschleißAlpine-Symbol
Ganzjahresreifenein Satz, kein Wechselin beiden Extremen schwächer als Spezialreifennur mit Alpine-Symbol wintertauglich

Unsere Haltung dazu ist weniger dogmatisch, als man denkt. Für jemanden, der mit dem Kleinwagen zur Arbeit, zum Einkaufen und am Wochenende zur Oma fährt, sind Ganzjahresreifen in einer Stadt wie Bremen eine ehrliche Lösung. Wer dagegen jedes Jahr viele Autobahnkilometer macht oder regelmäßig in den Harz oder in die Alpen fährt, ist mit zwei Sätzen besser bedient. Wo die Grenzen liegen und wie sich die Kosten über vier Jahre verteilen, rechnet die Seite zu den Ganzjahresreifen durch.

Woran man gute Reifen erkennt

Gute Reifen erkennen Sie am EU-Reifenlabel mit Nasshaftung, Rollwiderstand und Abrollgeräusch, an einem jungen DOT-Datum, am Alpine-Symbol bei Winter- und Ganzjahresreifen und an Tests, die zu Ihrer Reifengröße passen. Keine dieser Angaben reicht allein.

Das Label gibt es seit dem 1. Mai 2021 in der Fassung der Verordnung (EU) 2020/740. Rollwiderstand und Nasshaftung stehen in Klassen von A bis E, das Abrollgeräusch in Dezibel, dazu kommen Piktogramme für Schnee und, wo es zutrifft, für Eis. Zwei Dinge stehen nicht darauf: die Laufleistung und der Bremsweg auf trockener Straße. Ein Reifen mit Bestnote beim Rollwiderstand kann also schnell verschleißen, und das Label verrät Ihnen nicht, wie lange er hält.

Vergleichstests der Automobilclubs und Fachzeitschriften zeigen seit Jahren, dass sich gute und schwache Reifen vor allem bei Nässe und im Verschleiß unterscheiden. Getestet wird allerdings immer eine bestimmte Größe, oft eine gängige wie 205/55 R16, und der Testsieger in dieser Größe ist nicht zwangsläufig der beste Reifen für ein zwei Tonnen schweres SUV. Wie Sie Tabellen lesen, ohne Äpfel mit Birnen zu vergleichen, steht bei Reifentests lesen.

Die Marke ist kein Gütesiegel, aber ein Hinweis auf den Entwicklungsaufwand. Zweitmarken der großen Konzerne fahren häufig ältere Profile auf, die im Alltag oft völlig reichen. Das Alter eines einzelnen Reifens verrät dagegen nur die DOT-Nummer: Vier Ziffern an der Flanke nennen Woche und Jahr der Herstellung, 2324 bedeutet Kalenderwoche 23 im Jahr 2024. Neue Reifen, die schon drei oder vier Jahre im Regal lagen, sind keine Seltenheit. Wie Sie das Datum finden und was es für den Kauf heißt, zeigt die Seite zum Reifenalter.

Was Reifen 2026 kosten

Ein Reifen für einen Kleinwagen kostet 2026 rund 50 bis 110 Euro, für ein Kompaktauto rund 60 bis 140 Euro, für ein SUV rund 90 bis 230 Euro und für einen Sportwagen rund 120 bis 450 Euro, jeweils pro Reifen und ohne Montage. Elektroautos liegen mit rund 110 bis 280 Euro darüber, weil sie verstärkte Reifen brauchen.

Der Preis auf dem Etikett misst allerdings falsch. Entscheidend ist, was ein Kilometer kostet. Ein Rechenbeispiel, keine Messung: Vier Reifen zu je 100 Euro kosten 400 Euro, halten sie 40.000 km, sind das 10 Euro pro 1.000 km. Vier Budgetreifen zu je 70 Euro kosten 280 Euro, sind sie schon nach 25.000 km runter, kommen Sie auf 11,20 Euro pro 1.000 km und bremsen womöglich bei Nässe länger. Billig war dann teurer. Dazu kommen Montage, Wuchten und die Entsorgung der Altreifen. Was das 2026 ausmacht, steht mit Tabellen bei den Reifenkosten, samt einem kleinen Vergleich, der aus Preis und Laufleistung die Kosten pro 1.000 km ausrechnet.

Wer vor dem Kauf eine Reihenfolge braucht, findet sie im Bereich Reifen kaufen: Größe, Saison, Preissegment, Label, DOT-Datum und Montage, in dieser Reihenfolge.

Reifen prüfen in fünf Minuten

Fünf Minuten genügen für einen ersten Check: Profiltiefe messen, Luftdruck bei kalten Reifen prüfen, die Flanken nach Beulen und Rissen absuchen, das DOT-Datum lesen und auf ungleichen Abrieb achten. Am besten machen Sie das einmal im Monat und vor jeder Urlaubsfahrt.

  • Profil: an drei Stellen der Lauffläche messen, innen, Mitte und außen, jeweils in der Hauptrille
  • Druck: nur bei kalten Reifen, mit dem Wert vom Aufkleber an Tankklappe oder B-Säule, bei Beladung der höhere Wert
  • Flanken: Beulen, Risse, Schnitte und Fremdkörper mit der Hand abtasten
  • Alter: DOT-Nummer lesen, Risse im Gummi als Warnzeichen für Alterung
  • Abrieb: innen oder außen stärker abgefahren als in der Mitte?

Der Abrieb verrät am meisten. Zu wenig Druck frisst die Schultern, zu viel die Mitte, eine falsche Spur sägt eine Kante ab. Wer dort ein Muster sieht, sollte zuerst die Ursache beheben (Spur vermessen, Druck korrigieren, Stoßdämpfer prüfen), sonst ist der neue Reifen nach der halben Zeit wieder fällig. Wie Sie mit Lehre oder Münze messen und was die Grenzwerte bedeuten, steht auf der Seite zur Profiltiefe. Im Bereich Reifen prüfen wartet außerdem ein Check mit fünf Fragen, der Ihnen sagt, wo Sie nachsehen sollten.

Wann neue Reifen fällig sind

Neue Reifen sind fällig, wenn das Profil unter 3 mm (Sommer) beziehungsweise 4 mm (Winter) fällt, die Flanke Beulen oder Risse zeigt oder der Reifen deutlich älter als sechs Jahre ist. Gesetzlich verlangt § 36 StVZO mindestens 1,6 mm Profiltiefe.

GrenzeWertHerkunft
Gesetzliches Minimum1,6 mm§ 36 StVZO
Sinnvolle Grenze Sommerreifen3 mmEmpfehlung von Automobilclubs und Werkstätten
Sinnvolle Grenze Winterreifen4 mmEmpfehlung von Automobilclubs und Werkstätten

Der Abstand zwischen 1,6 und 3 Millimetern ist kein Schönheitsfehler. Bei Nässe wächst der Bremsweg mit sinkendem Profil deutlich, weil die Rillen weniger Wasser wegleiten, und genau dort verlieren abgefahrene Reifen zuerst die Haftung. Ole Brinkmann sagt es in der Werkstatt immer so: Mit 1,6 mm dürfen Sie noch fahren, mit 3 mm bremsen Sie noch gut.

Beim Alter gibt es für Pkw-Reifen keine gesetzliche Grenze. Hersteller und Automobilclubs raten, Reifen ab etwa sechs Jahren jährlich auf Risse und Verhärtung zu prüfen und sie spätestens nach zehn Jahren zu ersetzen, Winterreifen eher früher. Ein Reifen mit viel Profil und acht Jahren auf der Flanke ist deshalb kein Schnäppchen, sondern ein Kandidat für den Austausch.

Hinter diesen Seiten steht eine kleine Redaktion aus Bremen: Merle Hansen, Diplom-Ingenieurin für Fahrzeugtechnik, und Ole Brinkmann, Kfz-Meister mit 22 Jahren Reifenservice. Radhaus verkauft keine Reifen und schaltet keine Werbung, und wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns.